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Norwegen fährt elektrisch!

Während die EU um das Aus für den Verbrenner ab dem Jahr 2035 ringt, ist Norwegen schon einen großen Schritt weiter. Dort gilt das Aus für Verbrenner ab 2025 und diese Entscheidung lässt sich heute bereits im Straßenbild erkennen. In den großen Städten wie Oslo oder Bergen ist gefühlt jedes zweite Auto ein Elektroauto und was auch noch auffällt: Die Stadtbusse fahren mit Gas.

Fotos: RLPGG

Wer sich also ein Bild von unserer Mobilität von übermorgen machen möchte, dem sei eine Reise nach Norwegen empfohlen. Natürlich sollte man sich auch die schönen Fjorde anschauen oder die Hardangervidda erwandern, aber überall wird man sehr viele Elektroautos zu Gesicht bekommen, auch Marken, die es bei uns noch gar nicht zu kaufen gibt.

Norwegen ist uns gut zehn Jahre voraus und der Markt für neue Verbrenner ist fast nicht mehr vorhanden. Benzin-Neuwagen haben einen Marktanteil von 3,7% und Diesel-Neuwagen von 3,3%. Fast alle Neuwagen fahren vollelektrisch und ein kleiner Teil fährt hybrid.

Dies ist umso erstaunlicher, da Norwegen ein bergiges Land mit langen Strecken und kalten Wintern ist, alles Voraussetzungen, die nicht unbedingt für E-Autos sprechen. Der Siegeszug der E-Autos gelang in erster Linie durch staatliche Hilfen. So wurden die Steuern ermäßigt oder erlassen wie z.B. die Mehrwertsteuer, die in Norwegen 25% beträgt. Im Stadtverkehr gab es Privilegien wie freies Parken, verbilligte Maut für die Einfahrt in Städte, parken auf der Busspur usw.

Auch das Tanken haben die Norweger ganz gut im Griff, wobei es im Sommer, wenn alle gleichzeitig in Urlaub fahren, schon mal zu längeren Schlangen kommen kann. Lademöglichkeiten gibt es aber überall, selbst auf dem abgelegensten Parkplatz findet sich eine Ladestation. Auch in Mehrfamilienhäusern sind mittlerweile Ladestationen Standard, genau so wie smarte Stromzähler. Die meisten Haushalte haben flexible Stromtarife, die an die Spotmarktpreise gekoppelt sind. Deshalb sind Apps von großem Nutzen, die das Laden der Akkus auf einen Zeitraum niedriger Strompreise legen.

Ob wir in Deutschland und in der EU dies alles, was in Norwegen jetzt schon Standard ist, in 10 Jahren schaffen werden ist fraglich. Ganz wichtig wird es sein, dass wir den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen und dass sich die Regierung überlegt, wie sie bei größeren Marktanteilen der E-Autos mit den dadurch bedingten Einnahmeausfällen etwas bei der Energiesteuer und der Kfz-Steuer umgeht. Bei den PKW-Neuzulassungen in der EU liegt der Marktanteil von Elektroautos aktuell bei knapp 10 Prozent. Da ist noch viel Luft nach oben.